BasketsHomestory

 

Baskets Homestory - Tilo Klette

 

Alles zum Spieler Tilo Klette

Tilo Klette


"Allez, Allez"

Ein Ohrwurm ist dieser Ruf schon längst geworden: „Tilo Klette Allez“. Immer, wenn der 2,06 m große, sehr athletische Center der Baskets das Feld betritt, sind die Bonner ganz aus dem Häuschen. Mit seiner offenen Art hat er schnell die Sympathien der Fans erobert. Wir haben den 23jährigen zu Hause besucht, um Euch einen Eindruck vom Menschen hinter dem Baskets-Spieler zu vermitteln.  

Erst zwei Stunden vorher haben wir den Termin mit Tilo angesetzt, und waren freudig überrascht, dass er so kurzfristig und problemlos eingewilligt hat, uns seine Türe für eine Homestory zu öffnen. Allerdings war es ein wenig schwierig, seine Wohnung innerhalb des Mehrfamilienhauses zu finden, denn er hat „zur Tarnung“ noch immer den Namen seiner Vormieter an der Klingel stehen. Ich irre etwas verwirrt durch den Hausflur, bis sich schließlich im oberen Stock jemand bemerkbar macht. „Ich hatte doch extra die Türe aufstehen lassen, du kannst gerne reinkommen“. Auf meine Frage nach dem Namen sagt er ein wenig schmunzelnd: „Na, eigentlich reicht es doch, wenn ich weiß, wo ich wohne. Aber komm doch erst mal rein“.

 Kaum den Flur durchschritten, bleibe ich beinahe wie angewurzelt stehen. Ich hatte nicht geahnt, dass ich zu Gast bei „Schöner Wohnen“ sein würde. Ich stehe inmitten eines äußerst geschmackvoll und hell eingerichteten Wohnzimmers. Es ist unheimlich sauber und aufgeräumt, und fast beschämt muss ich an mein eigenes Chaos daheim denken. Hier liegt wirklich nichts unnötig in der Gegend herum, alles hat seinen Platz und vermutlich könnte man seine Mahlzeiten völlig unbedacht auf dem Boden einnehmen, wenn nicht der Glasesstisch viel mehr dazu einladen würde. Trotzdem wirkt es nicht steril, es ist sehr gemütlich und die persönliche Note macht den Raum aus. Wenige Möbelstücke, die aber perfekt zueinander passen, viele Pflanzen und einige Lampen, die an diesem kalt-nassen Herbsttag alles in ein warmes Licht tauchen.

Ich bin begeistert, und Tilo ist sichtlich ein bisschen stolz ob der Begeisterung. „Das sind alles meine eigenen Möbel, die habe ich mitgebracht. Ich fühle mich so viel wohler, und ich denke, es sieht ganz nett aus, oder?“. Das kann man wohl sagen. An der einen Längsseite steht eine helle Couch, die mit ihrer asymetrischen Form besonders ins Auge fällt. Gegenüber thront ein riesiger Fernseher, der fast Leinwandformat hat. „Ja, ich weiß, der wirkt etwas bombastisch, aber das war ein lange gehegter Wunsch, den ich mir erfüllt habe, als ich nach Bonn kam“.

Nachdem ich mich auf der dreieckigen Seite der Couch sortiert habe, berichtet Tilo zunächst mal von seinem Erstkontakt mit einem Basketball, der noch gar nicht so lange zurück liegt. Er gehört zu den so genannten „Spätberufenen“, denn erst mit etwa 16 Jahren erkannte er seine Begeisterung für diesen Sport. „Ich war schon immer ziemlich sportlich, habe jede Ballsportart ausprobiert: Handball, Volleyball, Tennis, Badminton und Fußball. Eine Zeit lang habe ich sogar mal Rennrodeln gemacht, aber das war nicht mein Ding. Irgendwann habe ich mir einen Basketball gekauft, oder ihn geschenkt bekommen, das weiß ich nicht mehr so genau“. Er blickt konzentriert und nachdenklich in die Runde und schüttelt dann den Kopf: „Ich weiß es echt nicht mehr, aber ist ja eigentlich auch egal. Jedenfalls hatte ich plötzlich einen Basketball und mit dem habe ich auf unserem Schulhof rumgespielt, wir wohnten zu der Zeit in der Lüneburger Heide.  Anfangs habe ich mit zwei Händen auf den Korb geworfen, sah bestimmt nicht so toll aus, aber ich hatte eine Menge Spaß. Allerdings blieb es zunächst noch mehr beim Fußball. Es fing aber langsam an, das ich schon immer eine Stunde vor dem Fußballtraining zum Platz gefahren bin, um dort alleine ein paar Körbe zu werfen. Wagemutig habe ich dann meinen ersten Dunking versucht, das hat aber leider nie geklappt“.

Tilo grinst verschmitzt, denn beim Gedanken an seine heutige Sprungkraft und die Dunkings, die er dem Bonner Publikum schon gezeigt hat, kann man da wirklich nur von Anfangsschwierigkeiten sprechen. „Ich war zwar schon an die 2,00 m groß, da ich mit 14 Jahren unheimlich gewachsen bin, aber die Motorik bzw. die Technik fehlten mir halt komplett. Manchmal bin ich daran  ein wenig verzweifelt. Als ich 16 war sind wir dann nach Münden umgezogen, wo ich anfangs mit Fußball weitergemacht habe, aber das war irgendwann nicht mehr so interessant für mich. Ich war übrigens Torwart und stand auch mal in der Niedersachsen-Auswahl“. In dem Moment muss ich an Paul Burke denken, der zunächst auch in einer anderen Sportart, nämlich Baseball, sehr erfolgreich war, aber dann doch wegen einer Schulterverletzung im Wurfarm zum Basketball wechselte ist. Was wohl Tilo zum Umschwung bewogen hat? „Ausschlaggebend war sicherlich, dass an der neuen Schule Basketball viel populärer war, als auf meiner vorherigen. Außerdem war ich ja inzwischen recht groß und da hat man mich einfach gefragt, ob ich nicht mal mitmachen möchte. Tja, da wurden so langsam die Weichen gestellt. Ich habe mir vieles selbst beigebracht und auch recht schnell dazu gelernt. Oft habe ich mir die Spiele im Fernsehen angeschaut, um mir einiges abzugucken. Ich bin dann in den dortigen Verein TG Münden eingetreten und habe ein Jahr in der A-Jugend und bei den zweiten Herren gespielt. Als wir dann den Kreispokal gewonnen haben, wobei ich ein ziemlich gutes Spiel gemacht habe, hat mich der Trainer von Göttingen gefragt, ob ich nicht zu ihnen wechseln möchte“.

Es sieht so aus, als wäre damit dann die endgültige Entscheidung getroffen worden, das Basketball wohl der Sport ist, bei dem Tilo langfristig bleiben wollte. „Auf jeden Fall aber ich hätte damals trotzdem nicht gedacht, dass ich eines Tages mal in der ersten Liga spielen würde. Eine Umstellung war auch, dass ich nun dreimal die Woche zum Training nach Göttingen musste, was eine halbe Weltreise für mich war, ungefähr anderthalb Stunden zu Fuß und mit der Bahn, aber es hat mir trotzdem riesigen Spaß gemacht. Und nebenbei noch die Schule, die auch nicht in Münden war, wo wir wohnten. Als ich dann mein Abitur in der Tasche hatte, war das schon eine Erleichterung“.

Ein seltsames Lächeln huscht über sein Gesicht, war wohl nicht ganz so rosig mit dem Lernen? „Ja, voll erwischt, ich war ehrlich gesagt eine Zeit lang nicht so oft in der Schule, wie ich hätte sein sollen. Ich habe das etwas zu lässig gehandhabt“. Ein wenig beschämt winkt er ab. „Ich bin zwar am Ende gut durch gekommen, aber ich möchte das doch keinem empfehlen – zur Nachahmung nicht geeignet. Es war viel Glück bei der Sache. Im Verein habe ich mich sehr wohl gefühlt. Im zweiten Jahr habe ich dann neben den zweiten Herren auch schon einige Male bei der ersten Mannschaft mitgespielt. Das Ganze hat sich  immer besser entwickelt, ich hatte auch relativ viel Spielzeit und war zufrieden, vor allem in meinem letzten Jahr dort. Ja, und dann kam der Wechsel nach Hagen, wo ich, wie sicher alle wissen, in der vergangenen Saison gespielt habe. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass für mich der wichtigste Punkt für den Wechsel damals die Möglichkeit war, unter Dirk Bauermann zu trainieren. Für eine jungen Spieler wie mich eine große Chance, viel zu lernen. Leider ist er ja dann bekanntermaßen nicht lange in Hagen geblieben“.

Der Schritt ins „Profigeschäft“ war also gemacht. Wo kam das Selbstvertrauen her, sich sicher zu sein, auch in der ersten Liga zu bestehen? „Das hatte ich eigentlich schon recht früh, denn die Zeit in Göttingen hat mich extrem nach vorne gebracht, in einer Saison war ich unter anderem Topscorer gewesen, das bestärkt schon. Ich habe das damals auch in einem Interview gesagt, das ich erste Liga spielen kann, und das hat man mir prompt als Arroganz ausgelegt“. Tilo holt aus dem schmucken Sideboard, das rechts vom Sofa steht, eine Ausgabe des Stadtmagazins „Fritz“ von 1999, in dem das Gespräch mit ihm abgedruckt war. „Die haben mich da irgendwie ganz falsch verstanden. Ich wollte eigentlich nur zum Ausdruck bringen, das ich mir mehr zutraue, und es ist doch nicht verkehrt, ein bisschen ehrgeizig zu sein, und ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Und mein Ziel war die erste Liga, und da bin ich. Ich nehme halt selten ein Blatt vor den Mund, sage eigentlich immer, was ich denke“.

Beim ersten Blick auf die Fotos neben dem Artikel komme ich etwas ins Stutzen, denn Tilo hatte zu der Zeit noch eine Menge Haare mehr auf dem Kopf als heute, und das verändert das Gesicht ungemein. „Allerdings muss ich trotz allem Ehrgeiz sagen, dass ich noch nicht so zufrieden bin, wie es für mich in der ersten Liga läuft“. Er wirkt nachdenklich, bevor er fortfährt: „Ich denke, ich muss noch eine Menge mehr machen und noch einiges lernen. Deshalb bin ich froh, dass ich in Bonn für zwei Jahre unterschreiben konnte, damit sich eine gewisse Beständigkeit einstellt. Ich möchte ungern jedes Jahr an einem anderen Ort sein. Ich bin ja schon relativ häufig umgezogen und es ist schon schwierig, sich jedes mal auf ein neues Umfeld, auf neue Leute einzustellen. Außerdem ist es nicht immer leicht, außerhalb vom Basketball jemanden kennen zu lernen, denn gerade in einer Stadt wie Bonn, wo dieser Sport so äußerst populär ist, erkennt dich fast jeder auf der Straße. Und viele sehen dann „nur“ den Basketballer in dir und es ist nicht einfach, neue Kontakte zu knüpfen, die mit dem Sport nichts zu tun haben. Das war in Hagen übrigens nicht anders“. Ein etwas zweifelnder Gesichtsausdruck stellt sich ein. „Ich glaube eigentlich, dass ich ein ganz netter, offener Typ bin, der auch auf die Leute zugeht“.

Ich denke, das glauben auch eine Menge anderer Leute, sonst hätten die Bonner ihn wohl kaum so begeistert aufgenommen. „Ich vermute, dass es für die Leute, die mir außerhalb der Halle begegnen, auch nicht immer einfach ist, mich anzusprechen, wenn sie mich erkannt haben. Leichter wird es dann, wenn man jemanden kennen lernt, der nicht weiß, wer man ist, da reagieren beide Seiten doch viel unbefangener. Schwierig wird es erst, wenn ich in mein Auto steige, das ja unverkennbar meine Zugehörigkeit zu den Baskets preis gibt. Obwohl ich die Autos total klasse finde, das ist eine schöne Idee mit den Logos und dem Spruch drauf. Zu all dem kommt ja noch mein bzw. unser etwas unkonventioneller Tagesablauf, bei dem es eben nicht möglich ist, sich mal kurz für abends zu verabreden. Allerdings sind das wiederum Dinge, mit denen man sich arrangieren muss, wenn man sich für den Sport entschieden hat. Und manchmal bin auch gerne allein, man braucht die Ruhe, um abschalten zu können“.

Eine recht persönlich Frage, die mich im Zusammenhang mit Freundschaften und dem Kennenlernen überhaupt interessiert ist, wie es für ihn und seine Familie war, nachdem sie von Dresden, wo Tilo bis zu seinem zwölften Lebensjahr aufgewachsen ist, in die Lüneburger Heide umgezogen sind. „Anfangs nicht ganz einfach. Wir sind damals nur mit dem voll beladenen Auto hier angekommen. Mein Vater hatte ein Jobangebot, und deshalb haben wir uns zu diesem Schritt entschieden. In der Schule war ich zunächst nicht so integriert, da hieß es dann immer, da kommt der „Ossi“. Und vorher hatte ich in unserem alten Wohngebiet eine Menge Freunde, da kannte jeder jeden und wir haben immer viel unternommen. Die Umstellung war schwierig, aber mit der Zeit haben wir uns alle gut verstanden. Der Sport hat da sicher auch eine wichtige Rolle gespielt. Es hat sich dann wieder ein großer Freundeskreis entwickelt, wie später in Münden auch. Aber je größer die Rolle wurde, die Basketball in meinem Leben gespielt hat, um so schwieriger war es, diese Freundschaften zu pflegen, aus Zeitgründen natürlich. Denn viele haben halt kein Verständnis, wenn du nicht so oft Verabredungen treffen kannst, oder wegen eines umgelegten Trainings auch schon mal was absagen musst. Da zeigt sich, wer deine wahren Freunde sind. Aus der Zeit in Münden ist der Kontakt zu meinem besten Freund geblieben, und das finde ich klasse“.

Einmal mehr wird einem bewusst, dass gegenüber einem „normalen“ Berufsleben doch bei den Sportlern vieles auf der Strecke bleiben kann im persönlichen Bereich. Eine Situation, die den Alltag auf eine Weise bestimmen kann, den sich viele von uns nicht vorstellen können. Natürlich hat man sich für diesen Alltag entschieden, aber einfacher macht es das trotzdem nicht immer. „Es war bei mir sogar einmal so, dass ich die Beziehung zu meiner Freundin beendet habe, weil sie nicht akzeptieren wollte oder konnte, dass ich soviel Zeit mit dem Sport verbringe. Ich sollte doch nicht so oft zum Training gehen und solche Sachen kamen dann. Das war natürlich keine große Unterstützung für mich, wie man sie sich aber wünscht. Deshalb ist es mir auch so wichtig, dass ich zu meiner Familie einen guten Draht habe. Mit meiner Schwester, die drei Jahre älter ist, verstehe ich mich heute super, was allerdings nicht immer so war. Als Kinder haben wir uns nur gekabbelt, und auch später meist nur gestritten, wir haben uns gar nicht verstanden - jetzt ist das zum Glück anders! Demnächst bekommt sie Nachwuchs, da freue ich mich schon drauf, denn ich werde dann Patenonkel“.

Und mal wieder sind wir beim Thema „Baskets-Nachwuchs“, denn unverkennbar gibt es in dieser Saison so viele „kleine“ Baskets, wie noch nie. Sowohl in der Mannschaft, als auch im Umfeld. „Ja, das ist schon ziemlich auffällig in diesem Team, dass soviel Familien dabei sind“. Ein Grinsen bis zu beiden Ohren zeigt sich bei Tilo: „Da ist mir vor allem aufgefallen, dass ich tatsächlich der einzige Single hier bin, schon komisch. Ich muss schon zugeben, dass es ganz nett wäre, wenn ich auch jemand hätte...“. Eine gewisse Verlegenheit macht sich bei ihm breit. „An meinen Oberarmen kann das ja wohl kaum liegen, die finden scheinbar einen gewissen Zuspruch. Ich denke da vor allem an das Spiel in Hagen, das war schon lustig, wie da der Zuruf aus euren Reihen kam, guck mal, Tilo hat so tolle Arme. Da konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen. Überhaupt die Sache mit der Stimmung hier in Bonn, das ist wirklich super. Und eben auch, wie die Fans mich hier direkt aufgenommen haben. Vor allem dieser Ruf „Tilo Klette Allez“, das ist echt klasse. Inzwischen wird das auch immer im Training gesungen, besonders von Terrence und Zeka. Im Team verstehen wir uns  alle ziemlich gut, obwohl es natürlich immer einige gibt, mit denen man mehr zu tun hat, als mit anderen. Ich verbringe die meiste Zeit mit Branko, wir haben echt viel Spaß, gehen oft zusammen essen. Ich habe nämlich mit dem Kochen aufgehört, das war mir irgendwie zu stressig. Was nicht heißen soll, dass ich das nicht kann“.

Na, gut zu wissen, denn das könnte ja unter Umständen eine nicht uninteressante Qualität sein, die man in die Waagschale werfen kann, wenn es drauf ankommt. „Außerdem muss ich mal sagen, dass ich immer großes Glück hatte, was Verletzungen angeht“. Tilo beugt sich vor, als wollte er sein Hosenbein hoch schieben, um vielleicht doch eine versteckte Narbe zu zeigen, aber er klopft dreimal kräftig auf den Holztisch vor uns. „Toi, toi, toi! Allerdings habe ich in meiner Kindheit da kräftig vorgelegt. Ich hatte zum Beispiel sechs Mal die Arme gebrochen und acht Löcher im Kopf. Ich war halt schon immer sehr aktiv. Heute gestaltet sich meine Freizeit doch etwas weniger spektakulär. Ich gehe oft und gerne ins Internet und gucke recht viel fern, wie ja zu sehen ist“. Er deutet auf die riesige Mattscheibe vor uns. „Ich schaue auch fast immer zum Einschlafen noch in den Fernseher, deshalb habe ich im Schlafzimmer auch noch einen kleinen. Das geht schon ganz automatisch, wenn ich nach Hause komme, dass ich das Knöpfchen drücke. Liegt vielleicht auch daran, dass man gerne eine gewisse Geräuschkulisse um sich hat. Was mir auch gefällt ist, wenn wir mit dem Team in Europa unterwegs sind und in wirklich interessante Städte kommen, wo es eine Menge zu sehen gibt. Split hat mir da sehr gut gefallen, die vielen kleinen Gassen, in denen man kaum zu zweit nebeneinander hergehen kann. Das war schön, ich bin dort viel herum gelaufen. Ich bewege mich sowieso gerne vor den Spielen etwas, vor allem wenn man zu lange im Flugzeug gesessen hat. Ich vertrage nämlich nebenbei das Reisen nicht allzu gut, ich habe so eine Art „Seekrankheit“. Ich fühle mich dann nicht immer sehr gut. Außerdem esse ich nicht alles so gerne, was dort auf den Tisch kommt. Naja, es geht aber schon irgendwie, schließlich muss ich mich ja auf das Spiel konzentrieren“.  

Wir kommen noch mal auf das Thema Familie und Kinder zu sprechen, weil es doch für die Spieler mit Anhang nicht immer einfach ist, soviel unterwegs zu sein. „Wenn ich ehrlich bin, hätte ich auch gerne eine kleine Familie. Eigentlich habe ich mir immer vorgestellt und gewünscht, mit 23 Jahren das erste Kind zu haben. Aber immerhin werde ich jetzt schon mal Onkel. Mir ist schon klar, dass es nicht einfach ist, die Frau fürs Leben zu finden. Mein bester Freund meint immer, ich hätte vielleicht zu hohe Ansprüche, aber das glaube ich gar nicht. Ich möchte einfach nur jemand finden, der „normal“ und offen ist, und zu mir passt. Allerdings muss ich eingestehen, dass es oft so dumme Kleinigkeiten sind, die mich auf die Palme bringen und mit denen ich dann nicht richtig umgehen kann. Naja, das wird schon mit der Zeit“.

Zum Schluss druckst er ein bisschen rum und muss dann wohl über seine eigenen Gedankengänge lachen. „Wer weiß, vielleicht gibt es ja ein paar nette Reaktionen, wenn du tatsächlich schreibst, dass ich Single bin...“.  Langsam neigt sich der Haubesuch bei Tilo dem Ende entgegen. Aber eine Frage darf natürlich nicht ungestellt bleiben, denn beim Blick durchs Wohnzimmer ist aufgefallen, dass etwas fehlt, das sich normalerweise in den meisten Basketshaushalten findet: die Playstation. „Ich habe zwar eine, das muss ich zugeben, aber ich spiele höchst selten. Ich habe sie dort im Sideboard versteckt, und hole sie wirklich nur hin und wieder hervor“. Auf dem Weg zur Türe fällt mein Blick noch auf einen großen Rahmen, in dem sich lauter Kinderfotos von Tilo befinden. „Da kannst du ruhig auch ein Foto von machen, da sehen die Leute mal, wie ich als Kind mit den strohblonden Haaren aussah. Sieht schon niedlich aus, oder? Meine Mutter hat das mal für mich zusammen gestellt“.  Ein letzter Blick durch diese schöne Wohnung, in der wir zu Gast sein durften und ein großer Dank an Tilo, der sich so offen und unbefangen zu einem persönlichen Gespräch bereit gefunden hat. „Das war doch wirklich kein Problem. So kann ich den Leuten, die mich immer unterstützen eine Freude machen. Ich hoffe, es hatten alle viel Spaß bei diesem Hausbesuch“. Und wer weiß, vielleicht sind wir beim nächsten Mal nicht mehr zu Besuch in einem Singlehaushalt...?!

Text von Anja Horstmann
 Fotos: Anja Horstmann, R. Friese

© Michael Mager | Telekom Baskets Bonn