BasketsHomestory

 

Baskets Homestory - Aleksandar Capin

 

Mit 21 Jahren bereits der Kopf der Telekom Baskets: Aleksandar Capin - Foto: DTAG

Alles zum Spieler Aleksandar Capin

Homestory Aleksandar Capin

 

Schüchterner Aufbauspieler will hoch hinaus

Die "#10" der Telekom Baskets besuchten Felix Krakow (Text) und Oliver Schild (Fotos)

Es ist spät, als wir bei Alexsander Capin vor der Tür stehen. Und das schlimmste: Wir sind zu spät. „Kein Problem“, meint er, als ich mich dafür entschuldige, „kommt rein, ich bin Aco (sprich Atzo).“ 

„Setzt Euch“. Er nimmt unsere Jacken und verschwindet erstmal. Wir sitzen vor einem Tisch, voll mit Erdnüssen, Salzstangen und Chips. So ernährt sich also ein Profi-Basketballspieler, sage ich, als Aco vom Jackenverstauen zurückkommt. „Nein, nein. Das hat meine Mutter für Euch vorbereitet. Die ist im Moment zu Besuch in Bonn.“ 

Ich sehe mich ein bisschen um und denke mir, dass es hier stark nach einer Single-Wohnung aussieht. Außer einem Foto auf dem Schränkchen in der Ecke findet man nicht viel persönliches. Wohnst Du hier alleine? Ich dachte, Du hättest Deine Freundin in Bonn? Die Antwort auf die Frage fällt eher knapp aus: „Ich hatte.“ Okay. Keine weiteren Fragen.

Nachdem unser perfekter Gastgeber uns noch etwas zu trinken anbietet, geht’s los mit der Arbeit. Die obligatorische erste Frage: Wie gefällt es Dir in Bonn? Aco erzählt, dass ihm die Stadt sehr gefällt, dass er viel spazieren geht und dass seine liebsten Plätze in Bonn einige Restaurants sind, deren Namen wir hier aber mal nicht nennen wollen. Es wundert ihn allerdings ein bisschen, dass er relativ selten von Baskets-Fans angesprochen wird. „Klar, ab und an will mal jemand ein Autogramm haben oder ein Foto machen, aber die meisten Leute erkennen mich wahrscheinlich gar nicht, wenn ich mein Trikot nicht trage“, versucht er eine Erklärung zu finden. Vielleicht bist Du einfach ein nicht groß genug, um aufzufallen, antworte ich mit einem Augenzwinkern. 

Nachdem Aco gerade erwähnt hat, dass seine Mutter in Bonn ist, frage ich ihn, ob er oft Besuch von daheim hat. „Ja. Schon. Im Dezember war mein Vater da, danach meine Schwester. Und jetzt eben meine Mutter.“ Allerdings kommen sie nie alle zusammen. Aco ist es so lieber, denn so kann er mehr Zeit mit jedem Einzelnen verbringen. „Natürlich vermisse ich meine Familie manchmal. Das ist doch normal. Aber Heimweh habe ich nicht. Ich bin es mittlerweile gewohnt. Schließlich lebe ich von ihr getrennt, seit ich 17 Jahre alt bin.“ 

Ich frage ihn, was er so unternimmt, wenn er nicht gerade trainiert oder mit dem Team unterwegs ist, und bekomme fast die Standardantwort eines jeden Baskets-Spielers: Kino, Essen gehen, ausruhen. Aber hat er da nicht doch etwas vergessen? Was ist denn mit der sonst so geliebten Playstation? „Nein, das ist nicht so mein Ding. Ich weiß, dass die Anderen das gerne machen, aber wenn ich vor dem Fernseher sitze, guck ich mir lieber ein Video an, oder so.“

 Ich merke, dass Aco doch noch ganz schön schüchtern ist und sich nicht so richtig entspannen kann, während wir reden. Es wirkt fast so, als sei er nervöser als ich. 

„Jeder ist für den Anderen da“ 

Ob er manchmal etwas mit den anderen Spielern unternimmt, möchte ich wissen: „Ja, es gibt schon ein paar, mit denen ich viel mache.“ Speziell mit Loukas, Branko und Altron ist er öfters unterwegs. „Die Anderen haben halt nicht so viel Zeit, weil sie Familie oder Freundin haben“, erklärt er. Und direkt im Anschluss versichert er uns, dass das keinen Einfluss auf die Stimmung im Team hat: „Die Chemie zwischen uns ist echt super. Alle im Team sind echt nett und wir haben viel Spaß. Vor allem Misha macht viele Witze. Er fehlt uns im Moment sehr.“ Ich frage Aco, ob das Verhältnis der Spieler zueinander unter der kleinen Krise der letzten Wochen gelitten hat. Doch er meint, dass genau das Gegenteil der Fall ist: „Eigentlich ist es in letzter Zeit sogar noch besser geworden. Jeder ist für den Anderen da, alle versuchen sich gegenseitig aufzubauen. Sowohl Trainer als auch Spieler.“ 

Wo wir schon bei der Stimmung im Team sind, komme ich natürlich nicht umhin, ihn nach dem spektakulären Spielerwechsel der letzten Woche zu fragen. Warst Du überrascht, dass Carlton Carter gegen Djordje Djogo ausgetauscht wurde? „Ja, ich war schon überrascht. Alle haben mir gesagt, dass so etwas hier überhaupt nicht an der Tagesordnung ist. Nur vor ein paar Jahren soll mal was ähnliches passiert sein.“  

Von „CC“ zu „DD“ (Djordje Djogo). „Den Spitznamen hat er ziemlich schnell von Altron verpasst bekommen.“ Naja. Liegt ja auch irgendwie nahe. Ich frage Aco, ob er Djordje schon kannte, ehe er zum Team gestoßen ist. „Ich habe ihn ein paar Mal spielen sehen, aber ich kannte ihn nicht persönlich.“ Er scheint allerdings von den Qualitäten des Neuen überzeugt zu sein: „Djordje passt super in die Mannschaft. Und ich denke, dass er uns eine große Hilfe sein wird.“

Vielleicht hätte „DD“ uns auch im Uleb-Cup helfen können. Warst Du sehr enttäuscht, dass wir in der Vorrunde ausgeschieden sind? „Naja, ein bisschen. Ich hätte schon gedacht, dass wir ein wenig weiter kommen würden.“ Woran es denn seiner Meinung nach gelegen hat, dass dem nicht so war, frage ich. „Also, da waren ein paar Spiele, die hätten wir einfach nicht verlieren dürfen.“ Oli wird hellhörig und fragt, was denn in Badalona schief gelaufen sei. Schließlich hatte das Team dort ja schnell hoch geführt. Aco ist der Ansicht, dass Badalona das Spiel in der Verteidigung gewonnen hat: „Wir waren eigentlich nah am Sieg. Wir haben eine gute Offense gespielt. Aber in der Defense war Badalona einfach zu stark. Sie haben besser verteidigt, die Rebounds geholt. Damit haben sie uns geschlagen.“

 Keine Garantie für den Play-Off Finaleinzug

Aco erklärt auch, dass es einfach sehr schwer sei, in zwei so intensiven Wettbewerben gleichzeitig vorne mitzuspielen. Daraufhin meine ich, dass wir dann ja jetzt die Meisterschaft holen müssten, schließlich kann die Mannschaft sich ja nun auf dieses Ziel konzentrieren. „Ich denke nicht, dass man jetzt garantieren kann, dass wir ins Finale kommen“, entgegnet Aco lachend. Als Hauptgrund nennt er die finanziellen Unterschiede zwischen Teams wie Berlin und Bonn. „Aber wenn wir ein bisschen Glück haben und alles geben, können wir es vielleicht schaffen. Ich hoffe es jedenfalls.“ Oli meint, dass er das auch hoffe. Als ich in den Raum werfe, dass ich das nicht tue, meint Aco nur: „So, you are the Joke-Boy, right?“. Endlich mal jemand, der meinen Humor versteht.

Jetzt wirkt Aco auch etwas gelöster. Er hat wohl begriffen, dass wir ihm nichts Böses wollen. Er lächelt öfter und redet auch lockerer, als zu Beginn des Gespräches.

Um die Stimmung nicht allzu hoch kochen zu lassen, frage ich, warum das Team in den letzten Wochen in einer kleinen Krise gesteckt hat. Aco glaubt, dass da einfach Vieles zusammengekommen ist. Vor allem hadert er aber ein bisschen mit der Leistung der Mannschaft: „Wir haben einfach nicht unseren besten Basketball gespielt. Aber es ist nicht so, dass wir nicht wollten. Irgendwie hat einfach immer jemand einen schlechten Tag erwischt. Und dann ist es verdammt schwer, ein Spiel zu gewinnen.“ Insgesamt sei die Mannschaft einfach aus ihrem Rhythmus gekommen, meint er weiter. „Ich glaube aber, dass wir den gerade wieder finden. In der nächsten Zeit wird es besser werden.“ Der erste Schritt dahin ist ja mit dem, wenn auch etwas glücklichen, Sieg gegen Ludwigsburg bereits getan.

Ich frage ihn, ob er gern im Mittelpunkt steht. Ob er ein Problem damit hat, wenn andere Spieler mehr Aufmerksamkeit von den Fans bekommen, als er. So wie zum Beispiel Rimantas Kaukenas in den letzten Wochen, als er unter anderem MVP des BBL-Allstar-Games wurde. „Nein, das macht mir wirklich nichts aus. Rimantas ist einfach unser Shooter. Er macht die meisten Punkte und wir spielen ja auch viel für ihn. Er ist wirklich ein sehr guter Spieler, er hat das verdient.“ Und er fügt mit einem leichten Grinsen an: „Hauptsache einer von uns ist MVP geworden.“ Hättest Du denn nicht auch gern am Allstar-Game teilgenommen? „Ach, das ist keine große Sache, dass ich dort nicht gespielt habe. Natürlich hätte ich nichts dagegen gehabt, aber die Fans wählen nun mal die Spieler, die sie am liebsten sehen möchten.“

Quo vadis, Aco?

In seinem Spieler-Steckbrief hat Aco angegeben, dass er einmal zu den drei besten Point Guards in Europa gehören möchte. Ich frage ihn, wo er sich im Moment sieht. „Ich denke, meine Leistung ist ganz okay. Ich hab mich schon etwas verbessert, seit ich in Bonn bin, aber man will natürlich immer besser werden.“ Was hältst Du von den anderen Point Guards in der BBL? „Es gibt echt viele gute Aufbauspieler in der Liga. Das ist gut für mich, denn so kann ich viel lernen. Ich glaube Demond Mallet von Braunschweig ist ein wirklich guter Spieler. Vielleicht der derzeit beste Point Guard der Liga.“

Und welche Ziele hat Aco für die Zukunft seiner Karriere? „Ich will mich immer weiter verbessern. Immer so gut spielen, wie ich kann. Und mit dem bestmöglichen Team.“ Also spielst Du nächste Saison nicht mehr in Bonn?, fragt Oli plötzlich aus dem Hintergrund. Der selbe Oli, der noch auf der Fahrt zu Acos Wohnung zu mir meinte: „Also, die Frage kannst Du aber nicht stellen. Da antwortet der doch niemals drauf.“

Naja. Schwamm drüber. Aco hat geantwortet: „Also, das kannst Du jetzt wirklich nicht sagen, dass ich nächste Saison auf keinen Fall hier spielen werde. Ich bin noch sehr jung. Ich habe noch Zeit und ich will mich entwickeln. Aber langfristig möchte ich in einer der besten Ligen Europas spielen. Und das sind zurzeit Spanien und Griechenland.“ Aber Kontakt zu anderen Vereinen gibt es noch nicht? „Nein. So etwas macht man auch nicht, solange die Saison läuft.“

„Es wird sehr schwer werden, gegen Frankfurt zu gewinnen“ 

Also volle Konzentration auf die Bundesliga und auf das kommende Spiel gegen Frankfurt. Ob ihn denn schon jemand auf die Stimmung vorbereitet hat, die ihn am Freitag in der Halle erwarten wird, frage ich. Und Aco weiß Bescheid: „Ja, am Donnerstag fängt Karneval an. Davon habe ich schon gehört.“ Allerdings weiß er nicht, dass die meisten Fans verkleidet zum Spiel kommen werden. Aber er soll sich ja auch auf den Gegner vorbereiten, nicht auf die eigenen Fans. Gerade wenn es gegen die Skyliners geht, die wir ja erst einmal schlagen konnten. „Es ist sehr schwer, gegen Frankfurt zu spielen. Die haben wirklich gute Spieler, gerade unter den Körben. Wir werden versuchen, die Schlüsselspieler auszuschalten, aber an einem guten Tag kann kaum ein Team der Liga gegen Frankfurt gewinnen, glaube ich.“ Na, das macht ja Mut. Wir versichern Aco allerdings, dass wir trotzdem Karneval feiern, auch wenn das Spiel verloren gehen sollte. Ich möchte noch wissen, ob es in seiner Heimat etwas ähnliches gibt, wie den Karneval. „Ja, wir haben etwas sehr ähnliches. Allerdings dauert es nicht fünf Tage, so wie hier, sondern nur einen. Und den habe ich fast immer verpasst, weil ich trainieren musste, oder so.“ 

Was Aco über die Stadt und die Mannschaft denkt, hat er uns ja schon gesagt. Aber wie sieht es eigentlich mit dem Verein aus? Was hält er vom Vorstand, den Trainern, dem ganzen Drumherum? „Es ist echt toll hier. Alle im Verein sind sehr professionell, aber vor allem auch total freundlich.“ Und dann die ultimative Lobeshymne auf die Fans: „Also, ich war nicht wirklich überrascht, von den Fans hier. Schließlich haben mir vorher alle gesagt, dass Bonn die besten Fans der Liga hat. Aber es ist schon Wahnsinn, wie die uns unterstützen. Ich bin echt froh, dass wir sie haben.“ 

Wie gesagt, es war schon spät, als wir mit dem Interview begonnen haben. Um Aco nicht den wichtigen Schlaf vor dem morgendlichen Training zu rauben, entschließen wir uns, zum Ende zu kommen. Nachdem wir noch ein paar Fotos gemacht haben und Aco unsere Jacken geholt hat, verabschieden wir uns. Als wir schon fast aus der Tür sind, fällt Olis Blick auf einen Fußball-Kalender an der Wand. Er fragt, welches Acos Lieblingsmannschaft ist. „Juventus Turin“, antwortet der. Und in Deutschland? „Bayer München ist echt toll.“ Na Super. Das musste ja kommen. Aber wahrscheinlich kennt er einfach gar keinen anderen Verein. Egal, Aco soll ja auch Basketball spielen und nicht Fußball gucken.

© Michael Mager | Telekom Baskets Bonn